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Monitor
Pressemeldung vom 31.05.2007
Militärpolitischer Berater der
Bundesregierung erhebt schwere Vorwürfe gegen NATO-Truppen in Afghanistan
„ISAF bekämpft bewusst Teile
der Zivilbevölkerung“ – „Verletzung des Kriegsvölkerrechts“
In
ungewöhnlich scharfer Form hat der militärpolitische Berater der
Bundesregierung in Kabul den Militäreinsatz der NATO in Afghanistan kritisiert
und dabei auch deutsche Generäle ausdrücklich mit einbezogen. Darüber
berichtet das ARD-Magazin MONITOR in seiner heutigen Ausgabe (21.45Uhr im
Ersten).
In einem
internen Schreiben an Außenminister Frank-Walter Steinmeier vom 13.05.2007,
das MONITOR vorliegt, kritisiert der Berater die „Eskalation der militärischen
Gewalt in Afghanistan“. Es sei „unerträglich, dass unsere Koalitionstruppen
und ISAF inzwischen bewusst Teile der Zivilbevölkerung und damit erhoffte
Keime einer Zivilgesellschaft bekämpfen. Westliche Jagdbomber und
Kampfhubschrauber verbreiten Angst und Schrecken unter der Zivilbevölkerung.“
„Wir sind dabei, durch diese unverhältnismäßige militärische Gewalt das
Vertrauen der Afghanen zu verlieren“, heißt es in dem Brief an den deutschen
Außenminister weiter. Dabei sei „bekannt, dass es um die Verletzung des
Kriegsvölkerrechts“ gehe. Das Schreiben warnt vor einer schleichenden,
völkerrechtswidrigen Ausweitung des ISAF-Mandats: „Das Militär droht sich zu
verselbständigen und von den politischen und völkerrechtlichen Vorgaben zu
lösen.“
Deutliche Kritik übt der militärpolitische Berater auch an der
Informationspolitik der ISAF-Führung. Politikern und Parlamentariern gegenüber
werde „die militärische Lage unzulässig geschönt dargestellt. Auch deutsche
Generäle beschönigen oder verschweigen eigene Probleme.“ Dabei sprächen „die
ständigen Forderungen nach Truppenverstärkung, die steigenden Kosten des
militärischen Engagements, das Anwachsen eigener Verluste und die wachsende
Zahl ziviler Opfer eine eigene Sprache“, mit der „die Ungeeignetheit und
Ausweglosigkeit militärischer Gewalt als Lösung der inneren und äußeren
Probleme Afghanistans“ zum Ausdruck käme.
Der
Absender des Briefes ist seit Juli 2006 militärpolitischer Berater der
Bundesregierung an der deutschen Botschaft in Kabul und war zuvor Leiter
Aufklärung und Sicherheit der „Kabul Multinational Brigade“ der ISAF
(International Security Assistance Force). |