Für den Verletzten Ermyas M. gab es damals Lichterketten, Demonstrationen gegen »rechte« Gewalt, Spendenaufrufe und eine anhaltende, überregionale Berichterstattung. Zur gleichen Zeit wurde in Nordrhein-Westfalen eine hochschwangere junge Frau auf offener Straße von zwei Afrikanern brutal zusammengeschlagen. Von einem ähnlichen Medienecho, Demonstrationen und Lichterketten war nichts wahrzunehmen. Wenige Wochen nach dem Fall Ermyas M. wurde – ebenfalls in Potsdam – auf offener Straße ein 20jähriger Mann von einem Afghanen erstochen. Aber weder der Generalstaatsanwalt noch die Medienwelt interessierte sich für diesen Fall, in dem ein junger deutscher Mann sein Leben verlor und die Hinterbliebenen ihr Leben lang traumatisiert bleiben werden. Die Berichterstattung erfolgte lediglich im regionalen Raum und war alles andere als unabhängig. Lichterketten und Demonstrationen gegen die gewalttätigen und »mutmaßlich« kriminellen Ausländer gab es keine. Auch kein Politiker warnte vor ausländischer Gewalt. Eine große Handelskette, die im Fall Ermyas M. der Familie großzügig 5.000 Euro gespendet hatte, weigerte sich auf Anfrage, der Familie des ermordeten Deutschen eine ähnliche Solidaritätsspende zukommen zu lassen. Beide Fälle seien nicht miteinander zu vergleichen, hieß es. Sicher nicht. Bei dem einen wurde ein Äthiopier nach vorhergegangenem Kneipen-Streit verletzt, bei dem anderen ein Deutscher ermordet. Es ist immer wieder bemerkenswert, was für eine Medienlawine ins Rollen kommt, wenn ein Nichtdeutscher von einem Deutschen verprügelt wird. Man erinnere sich nur an den betrunkenen Italiener, der in Berlin angeblich von »Nazis« zusammengeschlagen wurde. Später bewiesen Aufnahmen der Überwachungskameras vom S-Bahnhof Alexanderplatz, daß dieser Mann in volltrunkenem Zustand das Gleichgewicht verloren hatte, auf die Gleise fiel und sich dabei die Kniescheibe brach. Es geht hierbei nicht darum, eine ausländerfreundliche Haltung mancher Bürger in Frage zu stellen oder negativ zu beurteilen, sondern darum, auf eine Diskrepanz hinzuweisen, die gefährliche Folgen haben kann – nämlich eine falsche, pauschale Ausländerfeindlichkeit bisher toleranter und friedlicher Bürger.
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