Die Verantwortlichen für die »Verteidigung unserer Freiheit am Hindukusch« schämen sich nicht, den inzwischen 28 Toten der Bundeswehr die letzte Ehre abzusprechen, »Gefallene« zu sein. Sie seien vielmehr nur im Einsatz »ums Leben Gekommene«. Das Verteidigungsministerium ermahnte den Bundeswehrverband und die Medien, das »Kriegs- und das Krisenszenario« strikt voneinander zu trennen. »Wir befinden uns nicht im Krieg«, erklärte sein Sprecher. Nur im Krieg könne von Gefallenen gesprochen werden. Bernhard Gertz, der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, hatte in der »Neuen Osnabrücker Zeitung« die irreführende und verharmlosende Meinungsmache über die Rolle der Bundeswehr in Afghanistan kritisiert: »Da wird die Wahrheit verschwiegen – wir befinden uns in einem Krieg gegen einen zu allem entschlossenen, fanatischen Gegner.«
Deshalb sei der zuletzt getötete deutsche Soldat nicht einfach »ums Leben gekommen«, sondern »für die Bundesrepublik Deutschland gefallen«. Gertz hat Recht, wenn er den Krieg Krieg nennt und die gefallenen Soldaten Gefallene. Unrecht hat er, daß sie für die Bundesrepublik Deutschland gefallen seien in diesem Krieg um die US-amerikanische Vorherrschaft in einem Land, das die Weltherrschaftssüchtigen für die Ölpipeline-Durchleitung und als Basis für kommende Auseinandersetzungen beherrschen wollen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums kanzelte seinen Offizierskollegen Gertz am 4.9.2009 denn auch entsprechend ab: Er warf ihm »taktische Semantik« vor und wiederholte wie eine Gebetsmühle in Uniform: »Man muß zwischen Kriegs- und Krisenszenarien trennen.« Zu deutsch: Der Soldat ist nicht in Erfüllung des von ihm geleisteten Soldateneides gefallen, sondern in einer Krise ums Leben gekommen. Das wird die Hinterbliebenen bestimmt trösten und die kriegsunwilligen Deutschen beruhigen, daß wir keinen Krieg führen, sondern nur einen »robusten Friedenseinsatz« leisten! Wir fordern ein NEIN zur Verlängerung! Mitte Oktober soll der Deutsche Bundestag über die Verlängerung der Bundeswehreinsätze in Afghanistan abstimmen. Verteidigungsminister Jung fordert darüber hinaus eine Aufstockung der Truppenstärke von 3.500 auf 4.500 Soldaten. Nach Angaben von Peter Ramsauer (CSU) betrugen in diesem Jahr die deutschen Militärausgaben für Afghanistan 428 Millionen und für die zivile Aufbauhilfe 163 Millionen Euro. Trotzdem ist die Lage inzwischen so bedrohlich geworden, daß Minister Jung laut Zeitungsberichten schon am 19.5.2008 die Bundeswehr anwies, das Lager in Kundus möglichst nicht zu verlassen. Einen Erfolg ziviler Aufbauhilfe kann man unter diesen Bedingungen wohl kaum erwarten. Angesichts der immer brutaleren Völkerrechtsverletzungen der US-geführten Truppen sollte sich der Bundestag zu einem klaren NEIN durchringen!
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