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Schulbuch-Eurokratur: Wo der Irrsinn zu Hause ist

Stadtverwaltungen und Buchhändler stöhnten in den vergangenen Monaten wie jedes Jahr über den Irrsinn der EU-Vorschriften beim Kauf bzw. Verkauf der Schulbücher für das neue Schuljahr.

Die Europäische Union schreibt seit Jahren vor, daß die Buchbestellungen der Schulen europaweit ausgeschrieben werden müssen.

Lokale Bevorzugungen sollten mit dieser Verordnung ausgeschlossen werden. Das ist schon deshalb Unsinn, weil es sich um städtisches Steuergeld handelt, das über die Gewerbesteuer zum Teil wieder in die Stadtkasse zurückfließen würde, wenn örtliche Händler mit diesen Lieferungen beauftragt würden.

»Unter Kostengesichtspunkten ist die Verordnung reiner Irrsinn«, erklärte eine Sprecherin des Einzelhandelsverbandes in Nordrhein-Westfalen.

In NRW z.B. sollen im Schnitt pro Schuljahr in den Grundschulen bis zu 36 Euro, in der Sekundarstufe I bis zu 76 Euro und in der Gymnasialen Oberstufe bis zu 71 Euro für Bücher ausgegeben werden. Zwei Drittel davon übernehmen die Schulträger, also meistens die Städte. Den Rest bezahlen die Eltern.

Das Beispiel der Stadt Essen zeigt, um welche Summen es geht:

Für die rund 84.000 Schüler, die städtische Schulen besuchen, hat die Stadt für das kommende Schuljahr Bücher für 2,235 Millionen Euro bestellt.

Ein Irrsinn zum Quadrat

Die Kommunen müssen den Bedarf bundes- und europaweit ausschreiben und dann die Angebote bis auf die letzte Zeile durchprüfen – ein riesiger Verwaltungsaufwand. Im Schulverwaltungsamt stöhnt man hinter vorgehaltener Hand, daß diese Prüfung eine fünfstellige Summe kostet:

»Ein Irrsinn, volkswirtschaftlich, betriebswirtschaftlich und ökologisch«.

Am Ende entscheidet das Los!

Ein Irrsinn deswegen, weil die Stadt gar keine günstigeren Angebote auswählen kann, das verhindert die Buchpreisbindung. Statt dessen entscheidet das Glück: Unter allen Buchhändlern, die formal korrekte Angebote abgeliefert haben, wird nach der ganzen langen und teuren Prozedur ausgelost, wer die Schulbücher liefern darf. Ergebnis: Essener Schulen erhalten ihre Bücher von sieben Buchhändlern, z.B. aus München und Reutlingen. Und Essener Buchhändler mit Losglück liefern ihre Bücher in alle Ecken und Enden der Wunderrepublik, u.a. nach Dresden, Ingolstadt und in zwei Landkreise in Baden-Württemberg.

Und das gilt nicht nur für Essen, sondern bundesweit. Auf Weisung aus Brüssel, wo der Irrsinn zu Hause ist.


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Letzte Änderung:
26.09.2008 15:06:46

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