Wer solche Freunde hat ...
Jahrzehntelang haben die westlichen Verbündeten der Bundesrepublik immer wieder mit schönen Worten den Wunsch nach Wiedervereinigung Deutschlands unterstützt. Als es dann 1989/1990 soweit war, war Schluß mit der Heuchelei und die »Freunde« zeigten ihr wahres Gesicht: »Zwei Mal haben wir sie geschlagen, jetzt sind sie wieder da.« Mit diesen Worten verdeutlichte die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher nach dem Fall der Mauer ihren ablehnenden Standpunkt zur Wiedervereinigung Deutschlands. Die »Eiserne Lady« war alles andere als erfreut darüber, wie und vor allem in welchem Tempo sich die Dinge in Deutschland entwickelten. Ihre Abneigung lag aber nicht nur in der auf zwölf Jahre reduzierten deutschen Geschichte, sie fürchtete sich auch vor einem neuen Deutschland: »(...) Deutschlands Ehrgeiz würde dann der dominante und aktive Faktor werden.« Das britische Außenministerium veröffentlichte im September erstmals Dokumente zur deutschen Wiedervereinigung. Aus diesen geht hervor, wie die Premierministerin ihre Regierung nach dem Mauerfall zum hinhaltenden Widerstand verdonnerte. Noch im März 1990 lud sie Historiker und Politiker zu einer Diskussion zum Thema: »Wie gefährlich sind die Deutschen?« ein. Mit ihrer Einstellung war sie damit nicht allein. Die 500 Seiten Akten aus der Zeit zwischen April 1989 und November 1990 enthüllen auch, wie Frankreichs Präsident Francois Mitterrand die britische Premierministerin bei vertraulichen Gesprächen in ihrem Argwohn gegen die Deutschen noch bestärkte: Bei einem Mittagessen im Elysee-Palast am 20.1.1990 sorgte er sich gegenüber Thatcher angesichts der möglichen Wiedervereinigung vor der Rückkehr der »bösen« Deutschen, die einst Europa dominiert hatten. Würde sich Bundeskanzler Helmut Kohl durchsetzen, könnte Deutschland mehr Boden gewinnen, als es Hitler je getan habe, und Europa müsse die Konsequenzen tragen. So sah die viel gerühmte »deutsch-französische Freundschaft« wirklich aus. Verdrängt hatte Mitterrand anscheinend die französische Geschichte. Es war Napoleon Bonaparte, der ganz Europa in Satellitenstaaten zerteilt und dominiert hatte und zwar weitaus länger als zwölf Jahre. Denken wir also immer an den berühmten Spruch: Staaten haben keine Freunde. Staaten haben Interessen! |