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Afghanistan:

Wie lange noch?

Am 3.12.2009 beschloß der Deutsche Bundestag bei 105 Gegenstimmen und 43 Enthaltungen mit der großen Mehrheit der Volksvertreter das Gegenteil von dem, was die Mehrheit des deutschen Volkes will:

Der Einsatz von bis zu 4.500 Bundeswehrsoldaten wurde um ein Jahr verlängert, über eine weitere Aufstockung um 2.000 bis 3.000 Mann, wie aus US- und NATO-Kreisen gefordert wird, soll erst nach einer Afghanistan-Konferenz im Januar 2010 entschieden werden.

Dieser Beschluß hat in den Medien kein besonderes Aufsehen erregt, dafür streitet man darüber, ob dem Oberst Klein nach dem »Völkerstrafgesetzbuch« ein Prozeß gemacht werden soll.

Um es gleich vorwegzunehmen: Dem Offizier, der den Luftschlag gegen die von einem Trupp Taliban gekaperten Tankwagen am Kundus-Fluß angeordnet hat, ist kein Vorwurf zu machen.

Er mußte nach Lage der Dinge davon ausgehen, daß die Aufständischen die beiden Fahrzeuge bei Selbstmordattentaten einsetzen würden – mit mutmaßlich verheerenden Folgen. Die Tankwagen nicht zu zerstören, wäre fahrlässig gewesen.

Die immer lauter werdenden Kritiker wollen die Menschen daheim offenbar glauben machen, es gebe ihn, den sauberen, den anständigen Krieg, Gut gegen Böse, den Krieg, in dem es immer nur den unmittelbar beteiligten Gegner, den mit der Waffe in der Hand, erwischt, nie den Zivilisten.

Sie zeichnen das Bild von einem Krieg, in dem die Waffen wie selbstverständlich ruhen, wenn Unbeteiligte, Kinder gar, in die Schußlinie geraten, von einem Krieg, in dem letztlich trotz aller Feindschaft edelmütige Gegner einander gegenüberstehen und einen Kampf ausfechten, ritterlich, Mann gegen Mann.

Widersetzen Sie sich Obamas Forderungen, Frau Merkel, dieser Krieg ist ein us-amerikanischer Krieg um geopolitische Macht und Einfluß und kein Friedenseinsatz zum Aufbau eines Landes!

Krieg ist grausam. Krieg ist dreckig. Hinterhalte, die von unseren Top-Politikern immer wieder als »feige« gegeißelt werden, gehören zum taktischen Rüstzeug eines jeden Soldaten in jeder Armee dieser Welt. Krieg bedeutet Tod! Grausames, scheußliches Sterben zerschossener, zerfetzter Menschen.

Und es gibt keinen Krieg, in dem Zivilisten nicht zu den Hauptleidtragenden zählen. Wer Krieg führt – und das ist ein Krieg in Afghanistan, egal wie die Regierung in Berlin das nennt – wer Krieg führt, muß wissen, daß damit Leid über die Menschen gebracht wird, daß immer und überall bei fast jeder Kampfhandlung Unschuldige getötet werden, manchmal getötet werden müssen, wer das nicht will, und im Grunde kann man so etwas nicht wollen, der darf keinen Krieg führen.

Das Afghanistan-Abenteuer war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Zwar waren die Taliban schnell verschwunden. Aber nicht etwa, weil sie vernichtend geschlagen worden wären. Nein, sie sind ganz einfach ausgewichen nach Pakistan. Und der Westen hat nichts Besseres zu tun, als sich auf einen Abnutzungskrieg einzulassen, auf eine Guerilla »hoher Intensität«, wie es ein US-Offizier in Afghanistan ausdrückte. Daran sind schon die wenig zimperlichen Russen gescheitert, und das mit weit stärkeren Kräften.

Die westlichen Truppen wollen die Herzen der Afghanen gewinnen? Die Chance ist längst vertan, wenn es sie denn je gegeben hat. Die Nachricht von einem gewaltsamen Tod eines Zivilisten – mag sie nun stimmen oder nicht – hat weit verheerendere Wirkung, als mit dem Bohren von Brunnen oder mit ein paar Kilometern Straße je wieder gut gemacht werden könnte. Der Terror würde zunehmen, wenn die westlichen Truppen das Land verließen? Die Zahl der Länder mit Trainingslagern, in denen potentielle Attentäter ausgebildet werden können, ist mittlerweile zweistellig. Die militanten Extremisten dieser Welt sind längst nicht mehr auf Afghanistan angewiesen. Und Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern hier und nirgendwo sonst.

Der deutsche Offizier, der den Luftschlag befahl, hat richtig gehandelt. Für unsere Soldaten geht es in Afghanistan nicht mehr um irgendein hehres Ziel. Es geht nur noch um ihr Leben – während in der Heimat Ermittlungsverfahren gegen sie angestrengt werden, wenn sie sich ihrer Haut wehren. Was für ein Aberwitz!

Holt sie endlich heraus aus diesem Irrsinn, bevor ihre Särge in Frachtmaschinen zurückgebracht werden müssen!


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Letzte Änderung:
21.12.2009 21:52:23

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