Tausend Euro für Bierdeckel
»Liebe Regierung, ich bin Putze in der Kneipe „Zum letzten Schluck“. Ich habe nachts die bezahlten Bierdeckel aus dem Abfall geklaut und dazu die Kassenabrechnung vom Wirt kopiert. Laut Bierdeckeln hat er 62 Klare verkauft, laut Kassenabrechnung aber nur 21. Zum Beweis habe ich auch drei leere Schnapsflachen sichergestellt. Für 1.000 Euro verkaufe ich Euch die Beweisstücke, dann könnte Euer Finanzminister vom Wirt wegen Steuerhinterziehung eine Buße von 5.000 Euro kassieren – Reingewinn für Euch gleich 4.000 Euro. Mit staatsbürgerlichen Grüßen Eure Amalie Hinterfotzig.« Was ist das bloß für ein Staat, der auf solche Angebote eingeht und auf der anderen Seite Täter laufen läßt und Gesetze vorschiebt, wenn er kein Geld dabei verdienen kann? Kürzlich wurde auf einem Autobahnparkplatz ein Wärter von einem LKW-Fahrer überrollt und getötet. Der Fahrer konnte unerkannt flüchten, da die Polizei nicht auf die Daten einer Mautbrücke kurz hinter der Raststätte zugreifen durfte – das sei gesetzlich verboten. Der Staat hatte ja keinen Schaden erlitten. Bei Steuersündern aber ist man sofort bereit, geltendes Recht zu mißachten und sich auf die gleiche Stufe mit Hehlern zu stellen. Ein Staat mit solcher Doppelmoral hat seine Vorbildfunktion verloren und wird von vielen rechtsbewußten Staatsbürgern nicht mehr als Rechtsstaat empfunden. |