Diese Schweigespirale durchbrochen hat vor kurzem Joseph Fischer. Als ehemaliger Außenminister spielte er eine Schlüsselrolle beim Tabubruch internationaler Bundeswehreinsätze. Ihm gelang es auch, seine pazifistischen grünen Parteigenossen für weltweite Kriegseinsätze zu begeistern. Es war Fischer, der die Teilnahme der Bundeswehr am Kosovokrieg mit dem zynischen Argument rechtfertigte, das Erbe des Holocaust verpflichte Deutschland, auf dem Balkan einen Bürgerkrieg zu verhindern. Der Beginn des Afghanistan-Einsatzes fällt ebenfalls in seine Amtszeit. »Bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, worum es in Afghanistan tatsächlich geht, wird man die Antwort nicht allein oder vor allem in dem Land selbst finden. Afghanistan ist das Schlachtfeld, aber die Ursachen für die Kriege und Bürgerkriege, die seit Mitte der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts dieses Land verheeren, lagen und liegen jenseits seiner Grenzen«, so Fischer in der Süddeutschen Zeitung (7.12.2009). Es geht und ging in Afghanistan also nie um das Bauen von Brunnen, um die Einführung so hehrer westlicher Werte wie Demokratie oder Emanzipation. Es geht in Afghanistan nur um geopolitische Ziele! Fischer weiter: »Im März 2003 begann dann George W. Bush seine Invasion des Iraks, die nicht nur Amerikas militärische Kraft völlig unnötig vergeuden sollte, (...) Iran wurde durch diese Torheit der USA in die zentrale Rolle in der gesamten Region befördert. (...) Kann sich der Westen einen Rückzug aus dieser Region erlauben? Wenn ja, dann sollte man aus Afghanistan sofort abziehen. Wenn nein, dann sollte man über einen Abzug und die Strategie dazu nicht mehr diskutieren.« Das Ziel gibt er gleich mit: »... einen stabilen Status quo in Afghanistan, der verhindert, daß das Land erneut zum Schlachtfeld der regionalen Interessen und zur Basis von al-Qaida wird. Dieses Ziel wird ohne ausreichende militärische Präsenz sowie verbesserte und verstärkte Wiederaufbauleistungen nicht erreichbar sein.« Das ist deutlich genug und bedeutet nichts anderes, als daß der Westen seinen Einfluß auf Afghanistan und seine Bodenschätze nicht den Afghanen oder deren Nachbarn überlassen solle, sondern diesen durch ausreichende militärische Präsenz, mit logischerweise steigenden Opferzahlen auf allen Seiten, behaupten muß. Aus drei gescheiterten britischen (1839 bis 1919) und einem russischen (1979-1989) Krieg nichts gelernt? Die logische Folgerung kann nur sein: »Raus aus Afghanistan! – Jetzt!« Deutschlands Freiheit wird nicht am Hindukusch verteidigt!
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