An der Zapfsäule bittet uns nicht nur der Staat mit der Mineralöl-, Öko- und Mehrwertsteuer zur Kasse (zusammen knapp 90 Cent pro Liter Benzin). Auch die Spekulanten kassieren kräftig mit.
Wie die Süddeutsche Zeitung am 8.4.2010 berichtete, würden immer größere Mengen Rohöl an dem Terminmärkten der New Yorker und Londoner Ölbörsen gehandelt.
Laut einer im Bericht zitierten Studie entfallen bereits 14 Cent »Spekulationsprämie« auf jeden Liter Benzin und Diesel, »mithin etwa fünf Milliarden Euro jährlich. Weltweit zahlten die Spritkunden demzufolge jährlich 267 Milliarden Euro extra.« Der Ölmarkt werde zunehmend den Gesetzen der Finanzmärkte unterworfen, heißt es. Die Folge:
An den Terminmärkten werde 13mal mehr Rohöl gehandelt als tatsächlich gefördert wird.
In absehbarer Zeit würden diese Spekulationen den Benzinpreis auf über zwei Euro pro Liter treiben.
Der Gipfel dieser perversen Spekulationen ist, daß ein Spekulationsgut natürlich irgendwo zwischengelagert werden muß.
Laut dem Bericht geschehe dies bei der Ölspekulation, indem der so wichtige Rohstoff »häufig auf Tankschiffen ohne Ziel« liegen bleibe.
In Westeuropa merkt man es noch nicht so richtig: Weltweit werden Lebensmittel immer knapper und teurer. Dies berichten der Agrarwissenschaftler Dr. Wilfried Bommert (Buch »Kein Brot für die Welt – die Zukunft der Welternährung«) und der Wirtschaftsredakteur vom Manager Magazin Wolfgang Hirn (Buch: »Der Kampf ums Brot«) in ihren hier genannten Büchern.
Knappe Lebensmittel versprechen steigende Preise – und locken auch hier Spekulanten an. Bommert und Hirn machen diese Spekulanten für Preisexplosionen bei Grundnahrungsmitteln (z.B. Getreide) und Genußmitteln (z.B. Kakao, Kaffee) verantwortlich. Diese führten nicht nur in Dritte-Welt-Ländern zu Hungersnöten und Aufständen. Hungeraufstände wie 2008 auf Haiti, in Kamerun, im Jemen, in Usbekistan und in Mexiko sind für uns weit weg. Aber auch Frankreich hatte schon seine Baguette-Proteste und Italien seinen Pasta-Aufstand wegen hoher Preissteigerungen.
Termingeschäfte auf Getreide seien z.B. an der größten Getreidebörse der Welt in Chicago der Renner. Bommert dazu: »In Chicago werden heute auf dem Papier Getreidemengen gehandelt, die jeden Realitätsbezug verloren haben.« Der Umsatz durch die Termingeschäfte mit Getreide, das gar nicht existiert, habe die Preise explodieren lassen und den Umsatz der Spekulanten von 70 auf 400 Milliarden US-Dollar steigen lassen. Bommert stellt dazu aber fest, daß die Kursjagd bei Getreide noch lange nicht am Ende sei.
Laut Bommert seien Lebensmittel nun auch als Produktfonds interessant: »Produktfonds, hinter denen Getreide-, Zucker-, Kaffee- und Speiseölspekulanten stehen«. Die Bauern sähen von diesen Gewinnen natürlich nichts. Es kassieren nur Zwischenhändler und Spekulanten.
Wolfgang Hirn berichtet darüber, wie gleichzeitig Hedgefonds, Private Equity Fonds usw. fruchtbares Ackerland in aller Welt aufkaufen, weil das immer knappere Land saftige Gewinne verspricht: »Nun wittern sie das große Geschäft. Banker und reiche Privatleute aus aller Welt entdeckten plötzlich den Wert der Ackerkrume.«
Laut Hirn seien Agrarrohstoffe »das Gold der nächsten Jahre«. Derzeit gehöre z.B. 60 Prozent des amerikanischen Weizenmarktes einem Indexfonds. Aber auch Soja, Mais und Schweinehälften dienen den Spekulanten als Rendite-Objekte. In Indien habe man die Notbremse gezogen und an den Börsen die Spekulationen mit Agrargütern vorübergehend verboten. Es geht also doch!
Eine Entspannung der Preise, so Bomert und Hirn, habe es kurzzeitig übrigens nur 2008/2009 gegeben. Durch die Weltfinanzkrise saß das Geld für Spekulationen nicht mehr so locker. »Aber deshalb Entwarnung zu geben wäre verfrüht«, so Hirn.
Was soll man dazu noch sagen? Bleibt zu hoffen, daß auch den Spekulanten eines Tages ihre Stunde schlägt!