Vom 16.8.2011 datierte die »Mitteilung vom Einkauf«, die an »alle Häuser« der »Kaufland«-Kette adressiert war. Der Absender: Eine Faxnummer aus der »Kaufland«-Zentrale in Neckarsulm. DDR-Mentalität im Supermarkt In der Mitteilung heißt es, die Zeitungen Zuerst!, Nationalzeitung und Landser seien »nicht mehr im Verkauf anzubieten.« Man könne zwar die Belieferung durch die Presse-Grossos an die Filialen »aufgrund der in Deutschland gültigen Pressefreiheit nicht untersagen«. Daher sollten die zuständigen Mitarbeiter die genannten Zeitungen einfach wieder »in die Remikisten des Grossos legen. Stellen Sie sicher, daß die Titel gar nicht erst in den Verkauf gelangen.« Auf gut Deutsch übersetzt, man wollte den Grossos vortäuschen, die unerwünschten Magazine seien mangels Kundennachfrage nicht verkauft worden. Warum? »Nach 3 monatigem Nullverkauf wird die Belieferung automatisch reguliert bzw. eingestellt«, heißt es in der internen Mitteilung weiter. Eine saubere Sache, sich bei »Kaufland« der unerwünschten Lektüre zu entledigen? Wohl kaum so sauber, denn »behandeln Sie diese Anweisung vertraulich, die Grossos werden hierüber nicht informiert.« Kritische Leser werden stutzig: Kann dieses interne Dokument echt sein? Es ist echt! Dies bestätigte Anfang Dezember 2011 auf Anfrage der UN die Pressesprecherin von »Kaufland«, Andrea Kübler. System des Presse-Grosso Was bedeutet das System des Presse-Grosso? Warum die Heimlichtuerei von »Kaufland«? Aufschluß darüber gibt ein Lehrbuch für Auszubildende im Buchhandel namens »Wirtschaftsunternehmen Sortiment«. Es belehrt im Abschnitt Presse-Grosso die Azubis: »Die im Grundgesetz garantierte Presse- und Informationsfreiheit wäre ohne funktionierendes Pressevertriebssystem nur ein formales Recht. Was nützen hohe Auflagen, wenn die Druckerzeugnisse nicht in kürzester Zeit flächendeckend verbreitet werden können? Wie will sich der Bürger frei informieren, wenn an den Zeitungsverkaufsstellen nur die örtliche Tageszeitung zu erhalten ist?« Deshalb gebe es für den Pressevertrieb in Deutschland einige Besonderheiten. Damit jede Zeitung so schnell wie möglich überall erhältlich sei, wo der Leser sie zu kaufen wünsche, gebe es mit Genehmigung des Bundeskartellamtes rund 100 private Presse-Vertriebs-Gesellschaften: die Presse-Grossisten oder der »Presse-Grosso«. Jedem Presse-Grosso sei ein Alleinauslieferungsgebiet zugeteilt. »Aufgrund ihres Gebietsmonopols gewährleisten sie die lückenlose und rationelle Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Presseerzeugnissen. Nur der Bahnhofsbuchhandel wird direkt von den Verlagen beliefert. Als Gebietsmonopolisten sind die Unternehmen des Presse-Grosso zur strikten Neutralität verpflichtet.« Dies gelte natürlich auch gegenüber den Verlagen. Die Grossisten »dürfen den Vertrieb der Druckerzeugnisse nicht verhindern.« Soweit die graue Theorie darüber, daß wir alles lesen dürfen sollen und es dafür alles überall zu kaufen geben müßte. Doch was, wenn die Endverkäufer die Zensur übernehmen? Wie oft findet das täglich statt? In wie vielen Supermarktketten und kleinen Buchläden, ohne daß es der demokratiegläubige Bürger bemerkt? Mächtige Waffe: Kundenprotest Nach Eigenangaben betreibt »Kaufland« in Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern über 1.000 Filialen mit 119.000 Mitarbeitern. Was bedeutet es, wenn eigenmächtig Presseerzeugnisse entgegen der Garantien des Grundgesetzes von marktmächtigen Händlern aus den Regalen verbannt werden? Das dachten sich nach der Veröffentlichung des Dokumentes auch zahlreiche Kunden. Stürmisch muß der Protest gewesen sein. Die auf dem »Kaufland«-Schreiben genannte Telefonnummer war direkt nach der Veröffentlichung Ende November 2011 für Anrufer von außerhalb nicht mehr anwählbar. Tatsächlich brachte der Kundenprotest Erfolg. Pressesprecherin Kübler teilte auf Anfrage der UN mit, es sei der falsche Eindruck entstanden, »Kaufland« wolle in irgendeiner Form politische Position beziehen. Dies sei aber nicht der Fall. Angeblich sei die interne Mitteilung ohne Absprache mit der Geschäftsleitung getroffen worden. »Die Geschäftsleitung hat aufgrund mehrerer Beschwerden entschieden, daß die Zeitungen in den Märkten, wo sie angeliefert werden, auch in den Verkauf kommen. Letztendlich soll der Kunde entscheiden, was gekauft wird und was nicht.« Größter Lump im ganzen Land: der Denunziant Frau Kübler teilte aber auch mit, daß die Mitteilung nicht von ungefähr kam. Es habe Beschwerden gegeben, daß diese Zeitungen verkauft würden. Man habe mit dem Verkaufsstop weitere Beschwerden verhindern wollen. Ein fast schon verständlicher Reflex, der in Deutschland zur Tagesordnung gehört, wo Unternehmen um ihren Ruf besorgt sein müssen. Doch was sind das für »Kunden«, die sich beschwert haben? Wohl die üblichen engagierten Anti-Rechts-Kämpfer, denen eine Zeitung nicht zufällig auffällt, sondern die gezielt danach suchen, wer wohl was verkaufe, das zu denunzieren sei. Die perfide Masche der aktiven »Antifaschisten«, sich als Demokraten und einfache Bürger zu tarnen. Es liegt am Kunden, am Leser nationaler Zeitungen, die käuflich zu erwerben sind, diese immer wieder auch im Handel anzufordern und zu kaufen. Oft reicht schon eine Frage, und der Verkäufer in einer tiefroten Studentenstadt greift unter den Ladentisch und gibt heraus, was eigentlich im Regal stehen müßte. Die Kunden sollten auch bei »Kaufland« kontrollieren, ob die Zeitungen wirklich vor Ort erhältlich sind und nicht doch durch eine noch internere interne – vielleicht mündliche – Mitteilung zurückgehalten werden. Mutbürger und namenlose Helden Die »Kaufland«-Geschichte hat aber nicht nur couragierte Kunden als Mutbürger auf den Plan gerufen. Sie hat einen Helden, der für die Pressefreiheit seinen Arbeitsplatz riskiert hat: Es ist der namenlose Unbekannte, der den Mut hatte, das interne Schreiben öffentlich zu machen. Er ist vielleicht nicht einmal ein »Rechter«. Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ist wichtig. Aber sie muß enden, wo Menschenrechte verletzt werden könnten. Hier ist der richtige Anlaß für einen Zivilcourage-Preis, Herr Bundespräsident!
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