UN 11/2025
Eine Mo(h)ritat aus Berlin
Eine Moritat ist eine von einem Bänkelsänger vorgetragene, meist schaurige oder traurige Geschichte.
Und genau davon handelt auch unsere Mo(h)ritat. Sie handelt von bösen deutschen Kolonialisten, Sklavenhändlern und – das Gute darf in einer Moritat nicht fehlen – von einem schwarzen Philosophen.
Und das ist die Geschichte:
Seit ihrer Erbauung um das Jahr 1700 herum existierte in Berlin eine »Mohrenstraße« – bis zum Jahre 2025.
Nach jahrelangem (30 Jahre) Streit wurden die Straße und die U-Bahn-Station nun nach Anton Wilhelm Amo (ca. 1700 – 1756) umbenannt, der als erster afrikanischer Akademiker in Europa gilt und in der Aufklärungszeit in Deutschland wirkte.
Einige hundert Menschen feierten »gemeinsam diesen historischen Schritt gegen Rassismus und koloniale Kontinuitäten im öffentlichen Raum – mit Musik, Redebeiträgen, Austausch und Sichtbarkeit.«
Stutzig hätten die Gutmenschen werden müssen, wenn sie sich den Vornamen des »versklavten Ghanaers« angesehen hätten: Anton Wilhelm zeugt nicht unbedingt von Vorbehalten gegenüber Deutschland.
Und so war es auch nicht! Der Historiker Michael Zeuske, Professor in Bonn und Autor des Standardwerks »Sklaverei – eine Menschheitsgeschichte von der Steinzeit bis heute«, fand anhand von Dokumenten heraus:
Amo wurde noch als Kind 1707 von seinen Eltern an den Hof der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel geschickt. Später lehrte er an den Universitäten Wittenberg und Halle. In Jena bot er Kurse in Astrologie und Geheimschrift an. Als Amo 1747 nach Afrika zurückkehrte, galt er dort als Wahrsager.
Aus ihm machten nun die »Woken« einen bekannten Philosophen.
Richtig pikant wird es, wenn Professor Zeuske feststellt, dass Anton Wilhelm »zur Elite einer politischen Gemeinschaft, die Sklaven hielt und Kriegsgefangene sowie Sklaven an die verbündeten Niederländer lieferte und verkaufte«, gehörte. Diese Gruppe nannte man damals ausdrücklich Mohren oder Morianer. Laut Zeuske waren es »Sklavenjäger, Sklavenhalter und Sklavenhändler«.
Fest steht: Anton Wilhelm Amo war selbst nie Sklave – entstammt allerdings einem Clan von Sklavenhändlern.
Und nun? Umgehend erneut umbenennen! Die Ausführungsvorschriften des Berliner Straßengesetzes sind dahingehend eindeutig. Sie wurden im Jahr 2020 erweitert, um die Umbenennung von Straßennamen mit kolonialem Bezug zu ermöglichen. Als ergänzter Umbenennungsgrund gilt gemäß der Ausführungsvorschrift zu § 5 des Berliner Straßengesetzes:
»Umbenennungen sind nur zulässig zur Beseitigung von Straßennamen mit Bezug auf den Kolonialismus, sofern die Straßen nach Wegbereitern und Verfechtern von Kolonialismus, Sklaverei und rassistisch-imperialistischen Ideologien oder nach in diesem Zusammenhang stehenden Orten, Sachen, Ereignissen, Organisationen, Symbolen, Begriffen oder ähnlichem benannt wurden.«
Möge jetzt keiner auf die Idee kommen, die Straße in Pippi-Langstrumpf-Straße umzubenennen! Durch ihren Vater Efraim als N-König im Taka-Tuka-Land ist auch sie massiv vorbelastet.
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